Karikatur von James Gillray, 1802 (Wikimedia, gemeinfrei): Die Urangst vor der Impfung ist so alt wie die Impfung selbst. Damals glaubten Leute, infolge der Impfung gegen Pocken würden ihnen Kuh-ähnliche Auswüchse wachsen.

Nächsten Samstag wollen sich die Schwurbel-“Spaziergänger“ auch in unserem Offenbach tummeln. Zeit für eine Stellungnahme!

Diskutiert und informiert wird ja überall und wir werden hier niemanden langweilen, indem wir Argumente wiederkäuen, die in vielen Medien schon tausendmal gesagt worden sind. Wir wollen Euch aber unsere Haltung erklären, damit Ihr, liebe Leserinnen und Leser, versteht, woran Ihr mit uns seid.

Wir halten unsere Demokratie und damit auch unser Demonstrationsrecht für ein kostbares Gut. Wir sind dankbar, dass wir hier unsere Verantwortung als Opposition wahrnehmen können. Ja, wir stellen unbequeme Anfragen und Anträge und setzen uns dafür ein, unsere Demokratie auch kommunal noch weiter zu verbessern, z. B. mit mehr Transparenz. Wir wissen, dass sich einige Leute in unserer Stadtregierung darüber öfter mal ärgern. In China oder Russland säßen wir für unsere manchmal frechen Reden schon längst im Knast. Das kann uns hier nicht passieren, und das ist gut so!

Jetzt latschen Leute durch unsere Straßen, heften sich einen gelben Judenstern an und behaupten, sie seien Opfer? Welch unerträgliche Beleidigung der Opfer des Naziregimes ist das denn? Jana aus Kassel ist nicht etwa enthauptet worden wie Sophie Scholl, vermutlich sitzt sie zu Hause und jammert, weil Mitbürgerinnen nicht mehr ihren Atem mit ihr teilen wollen. Diese Leute verlangen von uns, weitere Ansteckungen zu riskieren, weil ihnen ihre persönlichen Ängste, Aberglauben oder was auch immer wichtiger sind als ihre Mitmenschen.

Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo sie die Freiheit der anderen einschränkt. Es gibt nicht die Freiheit, zu schnell durch die 30er-Zone zu brettern, weil es die Freiheit der Leute einschränken würde, die da rumlaufen. Es gibt auch nicht die Freiheit, in einem Wohnzimmer zu rauchen, wenn das dem Gastgeber die Freiheit, eine schöne Luft in seiner Wohnung zu pflegen, einschränkt. Es gibt auch nicht die Freiheit, auf den Aliceplatz zu pinkeln, weil es die Freiheit der Passanten einschränkt, eine angenehme Umgebung in ihrer Stadt zu erwarten.

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Wir haben zur Zeit eine Notlage, eine Pandemie ist über uns gekommen, und wir müssen zusammenhalten, um sie gemeinsam zu überwinden. Wir alle wollen, dass das so bald wie möglich endet. Natürlich gibt es Debatten und Streit über die besten Mittel, natürlich sind viele Fehler gemacht worden, die wir alle noch aufarbeiten müssen. Wir hätten es auch besser gefunden, wenn der Bundestag in ein paar mehr Entscheidungen eingebunden gewesen wäre. Auch über Interpretation der Fakten kann man sich streiten. Aber Fakten zu ignorieren, sich in verschwörungsschwurbelnde Blasen zurückzuziehen und unangenehme Wahrheiten auszublenden, ist tödlich für unsere Demokratie. Wir können keine Demokratie haben ohne Verantwortung. Egoismus und Narzissmus sind Gift für den sozialen Zusammenhalt. Man sieht an den Entwicklungen in den USA, zu welchem Hass es führt, wenn man Fakten ignoriert. Wir hatten vor weniger als hundert Jahren schon mal Aufmärsche, wir sollten aus der Geschichte gelernt haben. Liebe Spaziergänger, schaut mal, in welcher Gesellschaft Ihr Euch befindet.

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Die allermeisten Leute lassen sich impfen, nicht etwa nur aus Angst vor einer eigenen Ansteckung, sondern auch, damit wir endliche eine Herdenimmunität bekommen und das Elend bald ein Ende hat. Also aus sozialer Verantwortung, damit wir unsere Freiheit zurückbekommen. Diese Leute haben das Geschwurbel satt. Sie haben Mitleid mit den Risikopatienten, dem medizinischen Fachpersonal, das sich aufreibt, mit den Kindern, die Angst vor Ansteckungen haben, weil sie die Viren in ihre Familien tragen könnten, mit den Lehrern und Lehrerinnen. Weniger mit denen, die etwas von Impfschäden schwadronieren und ignorieren, dass die Wahrscheinlichkeit von Long Covid viel größer ist.

Hier ein Zitat von Sascha Lobo: „Die Geduld der Geimpften ist ein Gut, mit dem von Politik wie von Querdenkern derzeit sehr verschwenderisch umgegangen wird.“ (Spiegel)

Meme auf sozialen Medien

Ja, wir haben immer noch Geduld, weil auch das Demonstrationsrecht ein hohes Gut ist und weil die Demokratie auch Egoisten und Dummheit aushalten muss.

Aber wir rufen in Erinnerung, wie groß die schweigende Mehrheit der Leute ist, die nicht zur Demo, sondern zum Impfen spazieren, die nicht auf Demagogen in Scheinrealitäten hereinfallen, sondern sich an Fakten und Wissenschaft orientieren.

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