Renaturierung der Bieber – Damit der Ostendplatz und Bieber nicht untergehen

Der Klimawandel kommt, das bestreitet niemand mehr. Die Starkregenergeignisse der letzten Zeit haben gezeigt, dass es auch in Deutschland vermehrt zu Wetterkatastrophen kommen wird. Und viele Kommunen und Städte sind nicht gut vorbereitet. Starkregen wird es in Zukunft immer häufiger geben.

Januar 2021: Im Hintergrund der Bieberbach

Offenbach ist zwar nicht von Bergen umgeben, im Gegensatz zum Ahrtal, wo sich ein kleiner Bach in einen reißenden Fluss verwandeln kann. Aber wir haben alle gesehen, dass auch bei uns die Kanalisation schnell hoffnungslos überfordert ist, Keller vollaufen und die Mainuferstraße und der Wilhelmsplatz überschwemmt werden. Auch der Ostendplatz war schon überschwemmt und Autos sind abgesoffen.

Der Bieberbach ist schon vor Jahrhunderten begradigt worden, damit das Wasser schneller fließt und die Mühlen betrieben werden konnten. Auch heute fließt das Wasser zu schnell weg, anstatt in den umliegenden Wiesen zu versickern, die im Sommer oft zu trocken sind.

Ab hier (vor der Bremer Straße) fließt die Bieber unterirdisch

Unter dem Ortsteil Bieber ist der Bach 1963 in ein unterirdisches Rohr verlegt worden (Wikipedia). Am 9. August 1981 kam es infolge von Starkregen zu schweren Überflutungen in der Ortsmitte von Bieber. Schon dieses Ereignis hat gezeigt, dass dieser Kanal zukünftigen Überflutungen nicht gewachsen ist.

Eine Renaturierung würde dem Wasser viel mehr Raum zum Ausbreiten geben. Die dadurch entstehende Auenlandschaft könnte große Mengen von Wasser aufnehmen und zurückhalten. Dadurch würde sich der Hochwasserabfluss verlangsamen, und das Rohr und der bebaute Teil von Bieber würden entlastet. Renaturierung der Bieber ist also Vorsorge und Hochwasserschutz (siehe auch: Bundesumweltamt: Hochwasser durch Renaturierung entschärfen).

Große Teile der Bieber sind schon renaturiert, nämlich in Heusenstamm (beendet seit 2016) und Mühlheim.

Aber was ist in Offenbach passiert?

Schon frühzeitig, nämlich im Februar 2005, hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen, die Bieber innerhalb des Stadtgebiets zu renaturieren. Das Projekt war fast vollständig durch Fördermittel des Landes Hessen zu finanzieren, den kleinen Eigenanteil hätte man durch Einbringen eigener Grundstücke abdecken können.

Dieses kürzlich auf dem Bieberer Ostendplatz gebaute Haus steht auf Stelzen, ob das reicht?

Drei Jahre später, 2008, wurde einem detaillierten Budget zugestimmt, unter der Voraussetzung, dass ein Bewilligungs- bescheid des Landes Hessen zur Zuschuss-gewährung vorliegt.

Die Zuschuss-gewährung ließ aber auf sich warten, denn zunächst musste eine wasserrechliche Genehmigung erteilt werden, wie der Magistrat berichtete. Trotzdem ging man im Jahr 2008 noch davon aus, dass die Maßnahmen 2010 umgesetzt sein würden. Magistratsbericht (lesen wir hier einen vorwurfsvollen Ton heraus?): „Obwohl der Förderantrag bereits im Dezember 2007 gestellt wurde, ist gemäß schriftlicher Mitteilung des RP Darmstadt mit der Erteilung der wasserrechtlichen Genehmigung erst im Laufe dieses Jahres zu rechnen.“

Dann ist erst mal nichts mehr passiert.

Im Jahr 2016 gab es dann wieder einen Beschluss: Nämlich, dass nun die Mittel bewilligt seien und die Umsetzung eingeleitet werden soll. Die OF-Post und die FR berichteten begeistert. Auch eine Bürgerbeteiligung sei geplant.

Dann ist erst mal nichts mehr passiert.

Im Juli 2020 stellte der Stadtverordnete Engels eine Anfrage, wie weit die Bemühungen gediehen sind. Nach der üblichen Verlängerung kam dann eine Antwort: Man sei in den „Vorplanungen“. Im Dezember 2020 soll mit hydrologischen Untersuchungen begonnen werden, auch eine Bürgerbeteiligung sei geplant.

Unsere Fraktion hat noch mal nachgefragt, was aus diesen Untersuchungen geworden ist. Nach Verlängerung der Frist haben wir dann auch eine Antwort bekommen: Ja, die hydrologischen Untersuchungen sind abgeschlossen, das Ergebnis brauchbar. Nein, Lesen dürfen wir den Bericht leider nicht, weil sonst personenbezogene Daten herauskämen, nämlich wer die Besitzer der betroffenen Grundstücke sind.

Damit nicht erst mal nicht nichts mehr passiert, stellen wir jetzt einen Antrag, nämlich dass das Projekt jetzt priorisiert vorangetrieben werden soll, und die Umsetzung der Renaturierung bis Ende 2024 abgeschlossen sein soll.

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