In jeder Zusammenarbeit ist Vertrauen eine wichtige Voraussetzung. Fehlt sie, haben wir es mit dem Gegenteil zu tun, mit Misstrauen. Dann stockt der Informationsfluss, dann überwiegt Kontrolle, und dann kann nicht mehr vertrauensvoll gehandelt werden. Vertrauen und Misstrauen beruhen in der Regel auf Gegenseitigkeit.

Natürlich kommt es darauf an, warum man überhaupt zusammenarbeiten will. Am Arbeitsplatz ist Zusammenarbeit wichtig, das muss nicht weiter erläutert werden. Aber auch hier kann es schon mal sowohl Vertrauen als auch Misstrauen geben, je nachdem, ob man bei der Zusammenarbeit gleiche Ziele verfolgen will oder ob sich die vielleicht unterscheiden, weil persönliche Interessen oder die Interessen des Arbeitgebers unterschiedlich sind. Wenn sich diese nicht decken, steht es schlechter um den Erfolg des Unternehmens.

Wir wollen mit allen Fraktionen und Leuten zusammenarbeiten, denen das Wohl der Stadt am Herzen liegt, und wir haben Vertrauen, dass das bei den anderen gewählten Stadtverordneten und auch bei unserer Stadtregierung nicht anders ist.

Daher haben wir uns bemüht, uns möglichst umfassend zu informieren, damit wir eine qualifizierte Arbeit leisten können. Da sich einige von uns besonders für das Thema Digitalisierung interessieren, haben wir im letzten Herbst bei der neuen Stabsstelle Digitalisierung angefragt, ob man sich mal zum Gespräch treffen könne. Es kam damals eine Antwort aus dem Büro des Oberbürgermeisters, in der es hieß:

„… Im Zusammenhang mit Ihrer Anfrage ist Dr. Schwenke aufgefallen, dass Frau Schwarz und Herr Müller sich und Ihre Arbeit noch nicht im Ausschuss HFDB vorgestellt haben. Dies soll nun zunächst geschehen, damit alle Fraktionen den gleichen Wissensstand haben. …“

Der gleiche Wissensstand ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt. Es geht hier um Gerechtigkeit beim Zugang zu Wissen, das wir für unsere Arbeit brauchen. Diesen Gerechtigkeitssinn des Oberbürgermeisters haben wir natürlich respektiert.

Umso erstaunter waren wir allerdings nach der letzten Stadtverordnetensitzung, als uns die FDP süffisant vorhielt, dass wir nicht clever genug wären, die Stabsstelle mal zu unserer Fraktionssitzung einzuladen, das hätte die FDP schließlich auch gemacht. Oha, haben sich die Bedingungen geändert? Gut, also nächster Versuch, wieder eine Einladung an die Stabsstelle zu einer Sitzung mit unserer Fraktion geschickt, dieses Mal offiziell über den Sitzungsdienst.

Leider sind wir wieder abgeblitzt, uns wurde wieder beschieden, dass die Stabsstelle wieder bei der nächsten Sitzung des HFDB auftauchen würde, das müsse reichen. Dieses Mal war aber kein Gerechtigkeitsargument mehr dabei. Wir haben noch mal zurückgeschrieben, dass wir aber viel Gesprächsbedarf hätten, aber darauf leider keine Antwort mehr bekommen. Darauf haben wir unsere Fragen aufgeschrieben, 64 Stück, und an die Stabsstelle und den Vorsitzenden des HFDB geschickt.

Der OB hat höchstpersönlich den Auftritt bei der FDP damit gerechtfertigt, dass da mit ihm höchstpersönlich ein „gegenseitiges Vertrauensverhältnis“ bestünde, nur deshalb hätte er höchstpersönlich entschieden, dass ein Besuch der Stabsstelle bei der FDP möglich sei, ein solches gegenseitiges Vertrauen bestünde mit uns leider nicht. Helge sagte, dass wir die HGO doch noch mal genau durchsuchen würden, ob wir da eine Regel zum Thema „unterschiedliche Regeln in Abhängigkeit vom Vertrauensverhältnis zum OB“ finden würden.

Damit sind wir beim Ursprungsthema „Vertrauen“. Die FDP hat uns ja auch schon mal vorgeworfen, wir würden „Verschwörungstheorien“ anhängen, weil wir behauptet hatten, manche Informationen nicht zu bekommen. Und der Herr Dezernent Weiß (FDP) hat schon mal gefordert, wir sollten doch Vertrauen haben, dass die Beschlüsse auch ohne Transparenz stets vorbildlich umgesetzt würden.

Ja, irgendwie steht es ums gegenseitige Vertrauen nicht so gut. Dabei haben wir doch die gleichen Interessen, nämlich das Wohl unserer Heimatstadt. Nur auf dem Weg dahin gehen wir vielleicht in etwas unterschiedliche Richtungen. Bekanntlich gibt es das Sprichwort: „Wissen ist Macht“. Je mehr wir wissen, desto qualifizierter können wir an Entscheidungen teilnehmen und desto schwieriger wird es uns vorzuwerfen, wir hätten ja keine Ahnung, was natürlich immer das bequemste Argument ist. Wenn wir viel wissen, quatschen wir qualifizierter rein, und das ist zwar demokratischer, aber es stört. Die eine Seite denkt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Wir denken „Vertrauen ist gut, Nachfragen und Informieren ist besser“.

Also, Ist der Herr Oberbürgermeister vielleicht misstrauisch, dass wir zu viel wissen wollen und dann sein Schalten und Walten stören? Gar mitreden wollen und seine Entscheidungen hinterfragen? Und umgekehrt, er vermutet ja, dass auch wir kein Vertrauen haben. Nun ja, wir befürchten, damit hat er recht. Denn wir wollen ja tatsächlich demokratisch mitreden. Und uns fehlt das Vertrauen, dass er uns lässt. Auch dafür gibt es ein Sprichwort, es heißt „Teile und herrsche“. Das geht wohl besser mit der FDP als mit uns.

Titelbild: Caverndish, Pixabay

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