Der geplante Radschnellweg durch Offenbach

von Kai Kotzian

Kai Kotzian

Mein Name ist Kai Kotzian, ich bin Mitglied des VCD (Verkehrs Club Deutschland) und befasse mich seit einigen Jahren mit Nahverkehrsthemen und dem Radverkehr.

Ich möchte Ihnen heute erläutern, warum Radschnellwege nicht durch Innenstädte verlaufen können, wie Fußgänger zu Ihrem Recht kommen und warum das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen mit der AGNH (Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen) hervorragende und auszeichnungswürdige Arbeit geleistet hat.

Der Bund und das Land Hessen werden in den nächsten Jahren einiges an Fördergeldern für Mobilität und Radverkehr zur Verfügung stellen. Ich möchte erreichen, dass diese Gelder sinnvoll, also zweckmäßig ausgegeben werden und nicht in Prestigeobjekte fließen.

Was könnten die Maßstäbe für zweckmäßig ausgegebene öffentliche Gelder sein, wenn sie sich auf Radverkehrsmaßnahmen beziehen? Sie sollen Radverkehr sicherer machen, es sollen also weniger Menschen sterben oder schwer verletzt werden. Leider gab es in Offenbach im Jahr 2021 einige tragische Fälle. Sie sollen aber auch Fußgängerinnen und Fußgänger nicht beeinträchtigen.

Sinnvoll ausgegeben sind öffentliche Gelder dann, wenn sie die Reisegeschwindigkeit der Radfahrenden erhöhen, die Kreuzungen reduzieren und an Querungen den Fuß- und Radverkehr priorisieren. Zu querende Kreuzungen und das Warten an Ampeln verlangsamt das Radfahren enorm. Ich billige das Überqueren roter Ampel in keinem Falle, aber die Frage, ob eine rote Ampel auch immer sinnvoll ist und die Frage, ob die Ampel nicht auch wegfallen kann, wird viel zu wenig gestellt.

Beim Bau neuer Radwegeanlagen dürfen auch keine falschen Kompromisse gemacht werden. An Einmündungen und Kreuzungen müssen bei der Umgestaltung auch mal zwei Plätze, die jetzt dem parkenden Auto zugedacht sind, umgewidmet werden. Auch die neu eingerichteten Fahrradstraßen sind in dieser Hinsicht noch unzulänglich.

Im November 2020 hat das Hessische Ministerium für Verkehr, in Zusammenarbeit mit der erwähnten AGNH, die zweite Auflage der Qualitätsstandards und Musterlösungen für das Radnetz Hessen veröffentlicht. Es ist ein beachtliches 196-seitiges Werk, das auch für Laien verständlich zu lesen und als PDF verfügbar ist.

Leider ist das PDF nicht durchgängig nummeriert, weshalb ich manchmal von Seite, manchmal von Blatt spreche. In Abschnitt 3 werden die qualitativen Anforderungen an Radschnellverbindungen aufgeführt (Blatt 12-21 bzw. Seite 7-16).

Es ist dringend zu empfehlen, dass sich die Stadt Offenbach und der Magistrat zu 100% an diese Vorgaben halten und keine Gelder für schlechte Kompromisse ausgeben.

Ich bezweifle, dass Radschnellwege in einem Bereich funktionieren können, den ich als erweiterte Innenstadt bezeichne. Diesen Bereich, habe ich in der folgenden Grafik markiert:

Abbildung 1: Erweiterte Innenstadt

Der Regionalverband schreibt hierzu auf seiner Webseite:

Bereits im „März 2020 haben die Städte Frankfurt am Main, Hanau, Mühlheim am Main, Offenbach am Main, der Kreis Offenbach und der Regionalverband eine Absichtserklärung für die Realisierung einer Radschnellverbindung unterzeichnet“, (siehe Abschnitt FRM8 ).

Doch die vom Lenkungskreis der Stadt Offenbach übermittelten Untersuchungskorridore zur Machbarkeitsstudie waren bereits fehlerhaft (siehe Abb. 2).

Abbildung 2: Screenshot aus Webseite des Regionalverbands

Verbände wie der VCD wurden unzureichend eingebunden. Ein Fehler bei der Beauftragung der Machbarkeitsstudie war, nicht das gesamte Stadtgebiet einzubeziehen und sich auf die in der Abbildung markierten Korridore zu beziehen, die sich alle nördlich der Bahnlinie oder an der Bahnlinie befinden.

Der Regionalverband schreibt auf seiner Website hierzu weiter:

Im Dezember 2020 gab der Regionalverband als ersten Schritt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Deren Ziel ist es, eine geeignete Trasse zu ermitteln.“ Es wird fortgeführt: „Um frühzeitig die Hinweise und das Wissen der Menschen vor Ort abzufragen und in die Erarbeitung der Machbarkeitsstudie zu integrieren, fand von Ende März bis zum 9. Mai 2021 eine Online-Umfrage statt, an der sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben.“

Genaue Informationen, welche Hinweise der Regionalverband von den Bürgerinnen und Bürgern erhalten hat, sind jedoch nicht bekannt gemacht worden. Schade!

Vermutlich dachte man, dass weniger Baumaßnahmen durchgeführt werden müssen, je kürzer der Weg ist. Und die Annahme, dass der Radschnellweg auch in die Innenstadt führen oder zumindest in Innenstadtnähe vorbeiführen müsse, halte ich für falsch. Eine Autobahn für PKW würde heute auch keiner mehr über die Berliner Straße führen. Wenn man den Qualitätsstand des Hessischen Verkehrsministeriums beachten würde, dann würde man „Raddirektverbindungen“ (RDV, Abb. 3, gelb markiert) planen, die den Radschnellweg (RSV, Abb. 3, grün markiert) mit der Innenstadt verbinden (siehe Abschnitt 3.2., Seite 16-26). Also so:

Abbildung 3: Alternative für den Radschnellweg

Der Magistrat sollte also alle möglichen Bauformen von Radverkehrsanlagen betrachten (Radschnellweg RSV, Raddirektverbindung RDV und Radverbindungen RV) und die unterschiedlichen Nutzungsabsichten bei der Planung beachten. Das wurde bei der Beauftragung der Studie nicht gemacht.

Ich möchte diese Einschätzung begründen, in dem ich aus dem Qualitätsstandard (Seite 4) zitiere: „Radschnellverbindungen (RSV) dienen dem Alltagsverkehr (Pendelnde, Berufs- und Ausbildungsverkehre).“

Radschnellverbindungen werden auch von den Leuten befahren, die von Mühlheim und Obertshausen nach Frankfurt pendeln. Auf Seite 6 heißt es:

Um eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 20 km/h zu erreichen, sollen Radschnellverbindungen [..] mit hoher Oberflächenqualität sowie mit ausreichenden Breiten, die das Nebeneinanderfahren und Überholen sowie das störungsfreie Begegnen ermöglichen, ausgestattet sein. Die Entwurfsgeschwindigkeit soll bei 30 km/h liegen.“

Wenn man sich die Räder, die in der Innenstadt unterwegs sind, so anschaut, sind hier mittlerweile viele Pedelecs (oder wie der Laie sagt E-Bikes) dabei. Auch viele ältere Menschen haben das E-Bike für sich als bequemes Fortbewegungsmittel entdeckt. Geschwindigkeiten von 15 bis 20 km/h sind also nicht unrealistisch. Doch wünschen wir uns das in der Innenstadt? Ich nicht!

Der Regionalverband hat nun, wie wir in der Offenbach-Post lesen konnten, dem Lenkungskreis des Magistrates das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vorgestellt. Die Offenbach Post berichtet davon in ihrer Printausgabe vom 19.11.21 (Seite 5). Es wurde auch eine Grafik gezeigt, die das Problem durch Schraffierungen deutlich macht. Der Regionalverband hat zum Ergebnis der Machbarkeitsstudie nun folgende Mitteilung herausgegeben.

Abbildung 4: Wegführung nach Ergebnis der Machbarkeitsstudie

In der Veröffentlichung zur Machbarkeitsstudie heißt es: „ In Offenbach erstreckt sich die favorisierte Linie über die Frankfurter Straße, Park- und Geleitstraße. Unter Einbindung der Bleich- und Mathildenstraße führt die Trasse weiter zur B43. Alternativ wird auch noch eine Streckenführung am Bahndamm geprüft.“ Das Ergebnis wurde bisher nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Können Sie sich vorstellen, dass sich täglich über 2.000 Radfahrende durch die Geleitstraße oder die Bismarckstraße schieben? Wie soll die Kreuzung an der Waldstraße aussehen? Und wie soll ein Bereich, der so viele Fußgänger hat, die zu Geschäften zum Einkauf unterwegs sind, mit Radfahrenden umgehen, die 20 km/h schnell fahren? Mir fehlt da die Fantasie.

Ich möchte aber nicht nur meckern, sondern auch auf nicht beachtete Alternativen verweisen.

Haben wir da nicht noch den Anlagenring (Annastraße, Landgrafenring, Hessenring, Friedrichsring, Isenburgring, Parkstraße)? Der liegt aber nicht im Untersuchungsgebiet (siehe Abb. 2), würde sich aber für einen RSW (Radschnellweg) viel besser eignen. Dieser Vorschlag ist nicht nur meine bescheidene Meinung, sondern begründet sich auf den Qualitätsstandard des Landes Hessen, der sagt:

An Knotenpunkten sollen Radschnellverbindungen und Raddirektverbindungen vorwiegend bevorrechtigt sein und eine Fahrt mit möglichst geringen Verlustzeiten ermöglichen. Das bedeutet, dass die mittleren Zeitverluste pro Kilometer durch Anhalten und Warten nicht größer als 15 Sekunden (außerorts) und 30 Sekunden (innerorts) sein sollen“, (Seite 6).

Wie soll das an der Kreuzung Hebestraße – Bieberer Straße realisiert werden? Oder an den Kreuzungen in der Geleitsstraße oder Bismarckstraße? Mir fehlt da die Fantasie, aber das sagte ich ja schon. Im Anlagenring halte ich das dagegen größtenteils für möglich.

Weiterhin heißt es im Qualitätsstandard:

Eine grundlegende Trennung von Rad- und Fußverkehr wird angestrebt“, (Seite 6).

Aber wie soll das in der Geleitsstraße funktionieren? Das ginge nur mit null Spuren für KFZ . Auf Seite 9 stehen die Anforderungen (Abschnitt 3.1.2 – Tabelle 2):

Getrennte Führung von Rad- und Fußverkehr mit Zweirichtungsverkehr“, Innerorts: „Breite über 4 m (Rad) und soweit erforderlich über 2,50 m (Fuß)“, es wird hier auf die Musterlösung RSV-1 und RSV 2 verwiesen.

Hier die Abbildung aus den Qualitätsstandards des Verkehrsministeriums:


Abbildung 5: Abschnitt 5 des Qualitätsstandards des Verkehrsministeriums, Abschnitt Musterlösungen, Blatt 90, RSV-1

Ich möchte ehrlich sein: Es gibt in den Qualitätsrichtlinien noch den „faulen Kompromiss“. In Abschnitt 3.1.2 – Tabelle 2, Seite 9 gibt es nämlich noch den Abschnitt: „Gemeinsame Führung von Rad- und Fußverkehr mit Zweirichtungsverkehr“. Dort heißt es aber bei „Innerorts“:

Nur auf kurzen Strecken bei geringem Fußverkehrsaufkommen. Weniger als 25 zu Fuß Gehende in der Spitzenstunde. Breite über 5,00 m.“ Diese Qualitätseinschränkung ergibt aber keinen qualitativ guten Radschnellweg.

Stellen Sie sich mal vor bei dem Gewimmel in der Innenstadt sollen auf der Geleitstraße über 2.000 Berufspendler bis zu 20 km/h schnell fahren, und Fußgänger und Fußgängerinnen sollen dann von der Großen Marktstraße kommend die Geleitsstraße queren, um ihren Weg in die Mittelseestraße fortzusetzen. Ist da nicht auch eine Schule um die Ecke, die dann bei Schulschluss alles verstopft? „Nein, keine Schule.“ „Oh, doch.“ „Haben wir wohl übersehen.“ Fazit: Radschnellwege passen also nicht, wenn sie an Fußgängerzonen oder Schulen vorbeiführen.

Man kann also zusammenfassen, dass die Anforderungen an einen Radschnellweg (RSW), wie sie in Tabelle 3.1.2 (Seite 9 f.) gefasst sind, nicht im erweiterten Innenstadtbereich nördlich der Bahntrasse realisierbar sind. Sollte man jedoch bei dieser absurden Planung bleiben, zeigt das, dass man die unterschiedlichen Qualitäten des Radwegebaus (Raddirektverbindung und Radschnellweg) nicht verstanden hat und lieber nur eine schlechtere Qualität realisieren möchte.

Ich möchte jetzt an die Ausgangsfrage der sinnvollen und zweckmäßige Ausgabe von öffentlichen Geldern erinnern. Übrigens sieht die IHK Offenbach das genauso. Im Heft der IHK (Ausgabe 11-12 / 2021, Seite 8) können Sie das nachlesen (PDF-Link zum Download). Danke für den guten Artikel!

Diese Äußerung hier ist auch eine Aufforderung an alle, die zu Fuß unterwegs sind: Tretet ein für euer Recht, die Innenstadt zu Fuß nutzen zu dürfen! Tut euch zusammen und kämpft dafür, dass kein Radschnellweg eure Flaniermeilen kreuzt und ihr euch beim Einkaufen unwohl fühlt!

Zum Schluss möchte ich mich auch noch zu Alternativen, die oft in Social-Media-Seiten im Netz und in den Offenbacher Facebook-Gruppen geäußert werden, äußern. „Warum baut man denn nicht den Main-Radweg aus? Der ist doch am kürzesten!“ Eben wegen all der hier genannten Gründe und weil das Mainufer eine parkähnliche Anlage bleiben soll, in der wir unsere Spaziergänge genießen wollen, in der wir Basketball spielen, grillen und chillen wollen, in der Kinder auf Kinderspielplätzen spielen und ab und an mal auf den Radweg laufen, weil sie einem Ball hinterher schauen. Genauso wie wir keine Autobahn durch die Berliner Straße wollen, können wir auch keinen Radschnellweg durch eine parkähnliche Anlage am Mainufer haben wollen.

Wir sollten also, in allen politischen Fraktionen der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung, nochmal diskutieren, ob wir der Machbarkeitsstudie blind folgen werden. Oder wollen wir einen Radschnellweg mit langsamen Abschnitten im erweiterten Innenstadtbereich mit Konflikten mit zu Fuß Gehenden? Oder lieber doch einen guten Radschnellweg, der qualitativ hochwertig ist und den Standards des Landes Hessen entspricht?

Büdchen-Liebe: Kein Abriss des Kiosks am Starkenburgring!

Georg Diederichs
DIE PARTEI-Sympathisant und Büdchen-Fan

Von Georg Diederichs

Der Kiosk in der Nähe des Offenbacher Sana-Klinikums soll nach dem Willen übereifriger Stadtplaner abgerissen werden, da er nicht in deren Konzept einer neuen Parkgestaltung am Starkenburgring passt. Dagegen sollten wir uns gemeinsam zur Wehr setzen!

Zum einen steht der Kiosk unter Ensembleschutz und dürfte allein deshalb schon nicht abgerissen werden. Zum anderen handelt es sich um einen geschichtsträchtigen Ort, denn genau hier wurden 1972 Terroristen der RAF in einer spektakulären Aktion verhaftet. Im Volksmund ist deshalb auch vom „RAF-Kiosk“ die Rede. Zudem hat ein Offenbacher Historiker herausgefunden, dass das Büdchen im Zweiten Weltkrieg ausgebombten Offenbachern als Behelfsheim diente. Diese geschichtliche Bedeutung darf nicht einem Parkkonzept vom Reißbrett zum Opfer fallen.

Es gibt aber über das bereits Gesagte hinaus weitere gute Gründe für den Erhalt des Büdchens: denn wir sollten grundsätzlich alles dafür tun, dass Kioske, Wasserhäuschen, Büdchen etc. als Orte der Begegnung und der Kommunikation erhalten bleiben. Sie bieten in der Regel einen barrierefreien Zugang und verbinden Menschen aller Generationen und sozialer Schichten. Zudem sind sie wichtige Faktoren eines funktionierenden Nahkaufs im Viertel. Mit ihrem vielfältigen Erscheinungsbild gehören sie auch zum architektonischen Erbe unserer Stadt. Und nicht zuletzt wirkt ihr Erhalt der fortschreitenden Gentrifizierung entgegen.

Das Traditions-Wasserhäuschen am Klinikum

Der Kiosk am Sana-Klinikum sollte deshalb unbedingt erhalten bleiben und in das neue Parkkonzept integriert werden. Zudem ist die Forderung nach seinem Erhalt auch Bestandteil eines generellen Eintretens für den Erhalt der Büdchen-, Wasserhäuschen- und Kiosk-Kultur in Offenbach und in der Region.

Zeitungsberichte zum Thema:

Unser Haushalt, verständlich und transparent für alle?

Demnächst werden die Stadtverordneten über den Jahreshaushalt 2022 beraten. Dieser wird auch veröffentlicht werden, wie seine Vorgänger der letzten Jahre, die man von der Seite der Stadt herunterladen kann.:

Eine Beispielseite aus dem fast 900-seitigen Jahreshaushalt 2020

Der vorläufige Entwurf hat 895 Seiten. Auf Hunderten von Seiten finden wir Tabellen, die alle Finanzposten auflisten, ein Beispiel zeigt das Bild, zufällig ausgewähl aus dem Jahreshaushalt 2020. Auf den ersten 70 Seiten sind zusammenfassende Tabellen. Jedenfalls ist es Arbeit, da durch zu steigen, und das tun sich nur die wenigsten Bürger und Bürgerinnen an, auch wenn es sie interessiert.

Ganz anders sieht das in einigen anderen hessischen Städten aus, z.B. Frankfurt, Maintal, Dreieich oder Rotenburg an der Fulda.

Auf diesen Seiten wird der Haushalt verständlich und übersichtlich präsentiert. Die Öffentlichkeit kann sich in einfacher und nachvollziehbarer Form über ihre kommunalen Haushalte informieren. Neben den aktuellen Haushalten sind auch zurückliegende Haushaltsdaten einsehbar und können so miteinander verglichen werden.

Eine solche Art der Präsentation ist transparent und bürgernah, und so etwas wollen wir für unser Offenbach auch.

Beispiel: Eine der Seiten auf frankfurt.haushaltsdaten.de

Wir haben recherchiert und gesehen, dass diese Städte eine Software verwenden, die vom Hessischen Städtetag empfohlenen wird. Sie ist sehr kostengünstig und innerhalb weniger Tage implementierbar. Und sie erfordert keine zusätzliche Arbeit für die Finanzverwaltung. Hier kann sich die Öffentlichkeit in einfacher und nachvollziehbarer Form über ihre kommunalen Haushalte informieren. Neben den aktuellen Haushalten sind auch zurückliegende Haushaltsdaten einsehbar und können so miteinander verglichen werden.

Wir haben weiter recherchiert und herausgefunden, dass es schon längst Beschlüsse gibt, dass auch der Offenbacher Haushalt visualisiert und der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Der erste war vor 10 Jahren: Bereits im Jahr 2011 wurde der Magistrat nach Antrag der PIRATEN durch Beschluss mit einer Prüfung der Visualisierung des Haushalts beauftragt. Der Magistrat berichtete dazu am 22.08.2012. Als Fazit führte der Magistrat an, dass ein visualisierter Haushalt für Offenbach umsetzbar sei und die Umsetzung an einen externen Dienstleister empfohlen werde.

2014 bekräftigte die Stadtverordnetenversammlung auf Antrag der FDP und nach Ergänzung durch SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Freie Wähler, die Haushaltspläne verständlicher und aussagekräftiger zu machen, sowie den Bürgerinnen und Bürgern in einer öffentlichen Versammlung vorzustellen.

2016 nahm die Stadtverordnetenversammlung einen Antrag der CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Freie Wähler an und beauftragte den Magistrat unter Verweis auf Vorschläge des Magistrats von 2009 und Angabe einer Vielzahl von praktischen Vorgaben zu einer weiteren Prüfung. Auch hierzu sollte die Präsentation des Haushalts in einer öffentlichen Veranstaltung berücksichtigt werden. Zu diesem Beschluss gibt es im PIO leider keinen hinterlegten Bericht des Magistrats.

Seit fünf Jahren ist nichts mehr passiert.

Wir haben daher einen Antrag gestellt, dass der Magistrat noch mal prüfen und dabei die Lösungen, die die anderen Städte verwenden, berücksichtigen soll.

Wir sind gespannt, was dabei rauskommt. Jedenfalls werden wir dranbleiben.

Ein Leitthema unserer Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung ist Transparenz und Bürgerbeteiligung. Wie brauchen sie für eine lebendige Demokratie in unserer Stadt.

Renaturierung der Bieber – Damit der Ostendplatz und Bieber nicht untergehen

Der Klimawandel kommt, das bestreitet niemand mehr. Die Starkregenergeignisse der letzten Zeit haben gezeigt, dass es auch in Deutschland vermehrt zu Wetterkatastrophen kommen wird. Und viele Kommunen und Städte sind nicht gut vorbereitet. Starkregen wird es in Zukunft immer häufiger geben.

Januar 2021: Im Hintergrund der Bieberbach

Offenbach ist zwar nicht von Bergen umgeben, im Gegensatz zum Ahrtal, wo sich ein kleiner Bach in einen reißenden Fluss verwandeln kann. Aber wir haben alle gesehen, dass auch bei uns die Kanalisation schnell hoffnungslos überfordert ist, Keller vollaufen und die Mainuferstraße und der Wilhelmsplatz überschwemmt werden. Auch der Ostendplatz war schon überschwemmt und Autos sind abgesoffen.

Der Bieberbach ist schon vor Jahrhunderten begradigt worden, damit das Wasser schneller fließt und die Mühlen betrieben werden konnten. Auch heute fließt das Wasser zu schnell weg, anstatt in den umliegenden Wiesen zu versickern, die im Sommer oft zu trocken sind.

Ab hier (vor der Bremer Straße) fließt die Bieber unterirdisch

Unter dem Ortsteil Bieber ist der Bach 1963 in ein unterirdisches Rohr verlegt worden (Wikipedia). Am 9. August 1981 kam es infolge von Starkregen zu schweren Überflutungen in der Ortsmitte von Bieber. Schon dieses Ereignis hat gezeigt, dass dieser Kanal zukünftigen Überflutungen nicht gewachsen ist.

Eine Renaturierung würde dem Wasser viel mehr Raum zum Ausbreiten geben. Die dadurch entstehende Auenlandschaft könnte große Mengen von Wasser aufnehmen und zurückhalten. Dadurch würde sich der Hochwasserabfluss verlangsamen, und das Rohr und der bebaute Teil von Bieber würden entlastet. Renaturierung der Bieber ist also Vorsorge und Hochwasserschutz (siehe auch: Bundesumweltamt: Hochwasser durch Renaturierung entschärfen).

Große Teile der Bieber sind schon renaturiert, nämlich in Heusenstamm (beendet seit 2016) und Mühlheim.

Aber was ist in Offenbach passiert?

Schon frühzeitig, nämlich im Februar 2005, hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen, die Bieber innerhalb des Stadtgebiets zu renaturieren. Das Projekt war fast vollständig durch Fördermittel des Landes Hessen zu finanzieren, den kleinen Eigenanteil hätte man durch Einbringen eigener Grundstücke abdecken können.

Dieses kürzlich auf dem Bieberer Ostendplatz gebaute Haus steht auf Stelzen, ob das reicht?

Drei Jahre später, 2008, wurde einem detaillierten Budget zugestimmt, unter der Voraussetzung, dass ein Bewilligungs- bescheid des Landes Hessen zur Zuschuss-gewährung vorliegt.

Die Zuschuss-gewährung ließ aber auf sich warten, denn zunächst musste eine wasserrechliche Genehmigung erteilt werden, wie der Magistrat berichtete. Trotzdem ging man im Jahr 2008 noch davon aus, dass die Maßnahmen 2010 umgesetzt sein würden. Magistratsbericht (lesen wir hier einen vorwurfsvollen Ton heraus?): „Obwohl der Förderantrag bereits im Dezember 2007 gestellt wurde, ist gemäß schriftlicher Mitteilung des RP Darmstadt mit der Erteilung der wasserrechtlichen Genehmigung erst im Laufe dieses Jahres zu rechnen.“

Dann ist erst mal nichts mehr passiert.

Im Jahr 2016 gab es dann wieder einen Beschluss: Nämlich, dass nun die Mittel bewilligt seien und die Umsetzung eingeleitet werden soll. Die OF-Post und die FR berichteten begeistert. Auch eine Bürgerbeteiligung sei geplant.

Dann ist erst mal nichts mehr passiert.

Im Juli 2020 stellte der Stadtverordnete Engels eine Anfrage, wie weit die Bemühungen gediehen sind. Nach der üblichen Verlängerung kam dann eine Antwort: Man sei in den „Vorplanungen“. Im Dezember 2020 soll mit hydrologischen Untersuchungen begonnen werden, auch eine Bürgerbeteiligung sei geplant.

Unsere Fraktion hat noch mal nachgefragt, was aus diesen Untersuchungen geworden ist. Nach Verlängerung der Frist haben wir dann auch eine Antwort bekommen: Ja, die hydrologischen Untersuchungen sind abgeschlossen, das Ergebnis brauchbar. Nein, Lesen dürfen wir den Bericht leider nicht, weil sonst personenbezogene Daten herauskämen, nämlich wer die Besitzer der betroffenen Grundstücke sind.

Damit nicht erst mal nicht nichts mehr passiert, stellen wir jetzt einen Antrag, nämlich dass das Projekt jetzt priorisiert vorangetrieben werden soll, und die Umsetzung der Renaturierung bis Ende 2024 abgeschlossen sein soll.

Ein Vierteljahr nach Beschluss: Jetzt endlich ist die schlechteste Informationsfreiheitssatzung in Kraft getreten

Gleich bei der ersten „richtigen“ Sitzung am 20.05.2021, an der wir als frisch gewählte Stadtverordnete teilgenommen hatten, stand das Thema „Informationsfreiheitssatzung“ auf der Tagesordnung. Wir haben ja schon berichtet, dass wir diesen Entwurf völlig unzureichend fanden. Unsere erste Arbeit bestand also darin, einen Änderungsantrag zu entwerfen, bei dem uns dieDatenschützer Rhein Main geholfen haben. Leider wurde unser Änderungsantrag zunächst zweimal verschoben, dann bei der fünften Sitzung am 15.07.2021 abgelehnt und stattdessen der Entwurf des Magistrats übernommen. Wir haben dies mehrfach kritisiert (hier und hier).

Transparenz in unser Rathaus?

Dann haben wir gewartet, ob diese Satzung denn auch veröffentlicht wird, damit sie in Kraft treten kann. Das ist nicht passiert, also haben wir nach zwei Monaten am 23.09. eine Anfrage gestellt. Auch dieDatenschützer Rhein Main haben angefragt.

Und unsere Anfrage hat gewirkt! Nur zwei Wochen später wurde die neue Satzung dann vom Oberbürgermeister am 07.10.2021 unterzeichnet und ist damit in Kraft getreten. Sie ist auf der Webseite der Stadt veröffentlicht.

Wir fragen uns, warum das jetzt ein Vierteljahr gedauert hat und auch noch eine Anfrage nötig war, damit dieser Beschluss der gewählten Stadtverordneten umgesetzt wurde. Diese Geschichte zeigt uns auch, dass Anfragen aus der Stadtverordnetenversammlung wichtig sind.

Liebe Bürger und Bürgerinnen, nutzen Sie diese Satzung! Es gibt eine ganze Reihe interessanter Unterlagen, die Sie ab jetzt im Politischen Informationssystem (PIO) der Stadt nachschauen können. Leider fehlen noch Viele, und auch die Mechanismen, wie Sie an weitere Informationen kommen, sind unklar. Aber wir bleiben dran. Nächstes Mal wird ein Antrag von uns, der CDU, den Freien Wählern und den Linken auf der Tagesordnung stehen, der auch Berichte von der Umsetzung von Magistratsbeschlüssen fordert. Auch alle Anfragen und Antworten sollen nach diesem Antrag ins PIO eingepflegt werden.

Wir als Fraktion werden das Thema Transparenz für eine nachvollziehbare und verständliche Politik in unserer Stadt weiter verfolgen – für ein echtes Offenbach für alle.

Nachtrag:

Am 28.10.2021 (nach 5 Wochen) ist auch die Antwort eingetroffen. Leider nur unvollständig beantwortet: Es fehlt die Antwort, warum die Veröffentlichung so lange gedauert hat

Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen

Julia Endres

Als Stadtverordnete sind wir nicht nur Vorbilder für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, nein, wir sind von ihnen gewählt worden. Weil uns die Wählerschaft vertraut, dass wir die Probleme und Sorgen der Bevölkerung richtig angehen.

Damit wird uns aber auch Verantwortung übertragen. Dies ist eine große Verpflichtung und sicher oft eine schwierige Aufgabe. Gleichzeitig ist es aber auch schön zu wissen, dass einem die Menschen unserer Stadt so vertrauen, dass sie möchten, dass wir die politischen Entscheidungen mit treffen.

Allerdings schließt unser Amt einige wichtige Aufgaben mit ein: Eine davon ist es, sich mit den Anliegen der Bürgerinnen und Bürgern auseinanderzusetzen, sie mit ins Boot zu holen, ihnen zuzuhören und ihre Ängste und Sorgen anzuerkennen. Wir dürfen nie vergessen, dass wir alle auf Augenhöhe stehen. Man kann es nicht immer jeden Menschen recht machen und man kann nicht in jeder Entscheidung immer alle berücksichtigen. Aber Entscheidungen, die einen großen Teil unserer Offenbacher benachteiligen, sind falsch!

Viele politische Entscheidungen, die die Stadtverordnetenversammlung bis jetzt getroffen hat, schließen viele Menschen unserer Stadt aus. Dabei ist egal, ob der Ausschluss durch die Wahl des Berufes, den verfügbaren monatlichen finanziellen Mitteln oder der körperlichen Gesundheit zustande kommt, es bleibt falsch und verhindert die Bildung eines Zusammenhalts in unserer Stadt.

Entscheidungen, die nachdenklich machen

Natürlich ist es bei vielen Entscheidungen schwierig, alle wirtschaftlichen Interessen aller unter einen Hut zu bekommen. Zur Veranschaulichung führe ich zwei Beispiele an, die mich besonders zum Nachdenken angeregt haben:

Das erste Beispiel ist die ÖPNV-Kürzung. Diese trifft vor allem Menschen, die sich ohnehin kaum etwas leisten können und auf einen vernünftigen ÖPNV angewiesen sind. Viele Leute arbeiten im Schichtdienst, haben wechselnde Arbeitszeiten, haben nicht genug Geld für ein Auto oder möchten mit der ÖPNV-Nutzung ihren Teil zum Umweltschutz beitragen. Durch Taktkürzungen oder das Streichen von Buslinien werden genau diese Menschen in ihrer Lebensqualität beschnitten. Außerdem hängen an dieser Kürzung Arbeitsplätze, die überhaupt nicht bedacht worden sind.

Das zweite Beispiel ist ähnlich: Es wurde ein Antrag zum Thema Verkehrsverflüssigung beschlossen, angeblich um damit Treibhausgas-Emissionen zu senken. Wie sinnvoll das ist, sei dahingestellt. Die Frage, die mir dabei durch den Kopf geht, ist:

Entscheidungen für wen?

Für wen treffen wir diese politischen Entscheidungen?

Wir haben eine E-Mail von einem Bürger bekommen, der über die längeren Wartezeiten an der Ampel empört ist. Dies zeigt deutlich, dass diese Entscheidung nicht zum Vorteil aller Bürgerinnen und Bürger ist: Denn die Verkehrsverflüssigung nützt vor allem Menschen mit und im Auto, nicht jedoch den Fußgängern, die durch die neuen „Bedarfsampeln“ länger warten müssen. Denn Bedarfsampeln müssen erst mal gedrückt werden. Dann schätzt eine elektronische Verkehrsüberwachung ein, wann der Auto-Verkehrsfluss gestoppt werden kann. Daher rührt auch das Argument der Treibhausgas-Emissionssenkung, denn wenn weniger Autos seltener gestoppt werden, reduzierten sich die Abgase ein wenig.

Bedarfsampel an der Berliner Straße: Die Ampel ist schon rot, Menschen und Autos gleichzeitig auf dem Überweg

Aber um dem Klima durch Umweltschutzmaßnahmen wirklich zu helfen, braucht es etwas ganz anderes, nämlich weniger Autoverkehr. Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung für die Verkehrsverflüssigung führt aber im Gegenteil dazu, dass Autofahren attraktiver gestaltet wird und gleichzeitig das zu Fußlaufen noch eine Hürde dazu bekommt. Grade Offenbach ist für Fußgängerinnen nicht besonders attraktiv gestaltet.

Nimmt man die beiden Anträge zusammen, muss man sich fragen, für wen diese Entscheidungen getroffen wurden.

Wie viele Bürgerinnen und Bürger in Offenbach besitzen ein Auto? Soll es unser Ziel sein, dass noch mehr Offenbacher mit einem eigenen Auto herumfahren? War unser Ziel nicht stattdessen, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern und den Verkehr anders zu gestalten, nämlich so, dass es für alle bequemer und preisgünstiger ist, nicht nur für Autofahrer? Wollen wir den CO2-Ausstoß nicht nur marginal, sondern auch wirksam reduzieren?

Diese Beispiele sind nicht die einzigen, die ich mir in der kurzen Zeit als Stadtverordnete angesammelt habe, aber wohl zwei Entscheidungen, die weitreichende Folgen haben.

Entscheidungen versanden lassen und dann weglächeln

Immer wieder treffen wir bei unserer Recherchearbeit auf Anträge, die vor langer Zeit beschlossen, aber nie umgesetzt worden sind. Bei der letzten Ausschusssitzung war das genau das Thema, angesprochen von einem Bürger, der sich vorher anmelden musste, um uns eine Frage zu stellen. Diese Frage wurde nicht nur belächelt, sie wurde sogar einfach nicht beantwortet. Ganz charmant wurde ihm sogar unterstellt, er hätte nicht die Wahrheit gesagt. Die Frage galt einem Beschluss von 2007, der immer noch nicht umgesetzt wurde und zu dem auch keiner irgendwelche Informationen hatte. Das Thema der mangelnden Transparenz der Politik in unserer Stadt ist ein roter Faden unserer Stadtverordnetenarbeit (Link Informationsfreiheitssatzung…)

Und damit schließt sich der Kreis, denn eine demokratisch ausgerichtete Politik funktioniert nur mit einem ehrlichen und transparenten Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürger und der Stadt. Dieser muss auf Augenhöhe stattfinden.

Wenn wir uns als Stadtverordnete besser, höher und schlauer als der Rest der Bevölkerung fühlen und dessen Anliegen von oben herab bewerten, vergessen wir unsere Verpflichtung, die uns mit eben diesem Amt aufgetragen wurde. Wir sind nicht besser oder schlauer, wir füllen dieses Amt aus, weil uns Menschen gewählt haben, weil sie Vertrauen in uns haben. Sonst fühlt sich keiner gehört und verstanden. Die Politik muss dringend die Bevölkerung ernst nehmen, sonst ist Politik undemokratisch und dient nur wenigen, nicht allen Menschen.

Und zum Ernstnehmen gehören Zuhören und Auseinandersetzung und zwar bevor Entscheidungen getroffen werden. Nur so können wir gleichzeitig Vorbild und Mitgestalter unserer Zukunft sein.

Heute 10-jähriges Jubliäum der Magistratsprüfung zum „Rathaus-TV“!

Es war einmal, auf den Tag genau vor 10 Jahren, dass die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss gefasst hatte (auf Antrag der Piraten und Änderungsantrag SPD, B´90/Die Grünen und FW): Der Magistrat möge prüfen, ob der öffentliche Teil der Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung zukünftig als Livestream (Audio und Video) zur Verfügung gestellt werden kann.

Oha, da geht es um Digitalisierung, ein Thema, was auch im letzten Bundestagswahlkampf alle Parteien im Munde führten! Aber Digitalisierung ist heikel, denn sie hapert! Und es geht um Transparenz, aber die hapert in Offenbach ja auch!

Uns von der Ofa-Fraktion interessiert dieses Thema, aber irgendwie haben wir den damaligen Magistratsbericht nicht gefunden.

So haben wir also Ende Juli eine Anfrage, wo wir denn den Magistratsbericht finden, zusammen mit einigen weiteren Fragen zu Einzelheiten der Umsetzung. Aber die Zeit zur Beantwortung war zu kurz, und so wurde die Frist verlängert (bis morgen). Aber heute trudelte nicht etwa endlich eine Antwort, sondern eine weitere Verlängerung ein. 10 Jahre zur Beantwortung sind ja auch wirklich sehr kurz.

Wir sind gespannt, wieviele weitere Verlängerungen noch kommen werden. Und wir sind erst recht gespannt, ob wir vielleicht eines Tages ein Rathaus-TV erleben werden, so wie es das in manchen anderen Städten schon gibt.

B448: Bieberer Straße entlasten, Wald und Laska-Brücke erhalten

Von Haik Simon, Helge Herget, Annette Schaper-Herget und weiteren Autorinnen und Autoren

Anwohner, Naturschützer und viele weitere Offenbacher:innen sind besorgt wegen der geplanten Verlängerung der B 448. Damit soll die Bieberer Straße entlastet werden. Es formiert sich Widerstand, denn viele Bürger:innen wollen den Wald und die Häuser neben der S-Bahn-Trasse erhalten. Viele sorgen sich auch um die Zukunft der Laska-Brücke, die zwar marode und für den Lastwagenverkehr nicht mehr geeignet ist, andererseits als Industriedenkmal und Teil des liebgewonnenen Offenbachs sehr geschätzt wird. (Offenbach-Post 06.05.2021)

Das war für uns Anlass, die Pläne mal genauer anzuschauen: Die neuste Information, die wir als Stadtverordnete bekommen konnten, ist diese: Am 21.02.2019 wurde im Ausschuss „Umwelt, Planen, Bauen“ der aktuelle Stand der Machbarkeitsstudie „Verbindungsstraße zwischen Mühlheimer Straße und der B448“ präsentiert. In dieser Präsentation wurden mehrere Varianten vorgestellt, die weiter untersucht werden sollen. Diese Vorschläge geben wir hier in einer Zeichung wider.

Bild 1: Die in der Präsentation vorgestellten Varianten B448

In der OF-Post steht eine neuere Information, nämlich „Nachdem zunächst mehr als ein Dutzend Varianten eines Trassenverlaufs im Rennen waren, hat sich der Magistrat im Juni 2020 auf eine Kombi-Lösung festgelegt. Die sieht vor, dass die Verlängerung der B 448 ab dem Anschlussknoten Bieber-Nord zunächst entlang der Bahnlinie (Variante Süd 3) geführt wird. Sie geht dann in Höhe der ehemaligen Deponie Grix in die Variante „Nord 1C“ (in der Skizze hellblau markiert) über, die im weiteren Verlauf nach Norden durch den Wald in Richtung Laskabrücke verschwenkt wird.“ (OP 11.04.2021).

Von diesem Beschluss findet man leider nichts im pio.offenbach.de/, also hat sich die Stadtverordnetenversammlung damit noch nicht weiter befasst. Der Magistrat hat also noch nichts vorgelegt, und leider sind die Magistratsprotokolle nicht veröffentlicht.

Leider berücksichtigt keine der Varianten, dass auf dem brachliegenden Gelände in der Nähe der S-Bahn-Station „Offenbach-Ost“ das Baugebiet „Güterbahnhof OF-Ost“ liegt, das auch ein wichtiges Ziel für den Verkehr sein wird.

Unklar ist auch, wie diese Varianten mit einer anderen Planung der Stadt zusammengehen sollen, nämlich dem „Entwicklungskonzept Zukunft Stadtgrün – Einzelmaßnahme 6: Grünring“-Brücke über die S-Bahn beim Leonhard-Eißnert-Park“, 27. November 2019, S. 47ff. Im Bild 2 haben wir den in diesem Projekt „Zukunft Stadtgrün“ geplanten Radweg zusätzlich eingezeichnet (hellgrün).

Bild 2: Varianten B448 plus geplanter Fahrradweg Zukunft Stadtgrün

An allen vorgestellten Varianten stört uns, dass sie viele schützenswerte Biotope und Waldbereiche und auch die anliegenden Häuser zerstören. Besonders bestürzt sind wir auch darüber, dass der Magistrat ein Szenario bevorzugt, in dem die hübsche Laska-Brücke verschwinden soll, die für Lastwagenverkehr nicht mehr geeignet ist. Andererseits finden wir es auch richtig, dass der Verkehr nicht nur über die Bieberer Straße geführt wird.

Also haben wir uns auch mal Gedanken gemacht, wie Wald, Häuser und Laskabrücke erhalten werden können und trotzdem die Bieberer Straße entlastet werden kann, bei gleichzeitiger Vermeidung von scharfen Kurven und Kreuzungen für den Lastwagenverkehr.

Wie wäre es, einen Teil der Verbindungsstraße nicht neben dem S-Bahn-Gleis durch den Wald gehen zu lassen, sondern stattdessen als Hochbrücke über den Gleisen zu führen, nach dem Vorbild ähnlicher Verkehrsführungen in Tokio, wo man diese Bauweise der Experten für Bauen ohne Platz häufig findet (Siehe hierzu Bild 3: S-Bahn-Gleise mit Hochbrücke und Bild 4: Skizze des Querschnitts der Hochbrückenstraße)?

Bild 3: Fotomontage: S-Bahn-Gleise mit Hochbrücke
Bild 4: Skizze des Querschnitts der Hochbrückenstraße

In der Variante des Magistrats müsste die neue Straße auch eine scharfe Kurve nehmen, um über die neue Brücke, die die alte Laska-Brücke ersetzen soll, geführt zu werden. Wir fänden es klüger, wenn eine neue Brücke über die Gleise gebaut würde, und die Laska-Brücke stattdessen eine Überquerung für Radfahrer und Fußgänger, sowie ein Industriedenkmal würde.

Bild 5: Die hübsche Laskabrücke sollte erhalten bleiben.

Die Streckenführung nach unserer Überlegung sähe dann so aus (Bild 6: Hochbrückenvariante, orange)

Bild 6: Varianten B448 plus zusätzlich eingezeichneter „Hochstraßenvariante“

Wir wollen wissen, ob solche Überlegungen bei den bisherigen Planungen eine Rolle gespielt haben. Uns interessiert auch, wie weit die Planungen fortgeschritten sind und wann man mit Berichten rechnen kann. Daher haben wir jetzt eine ensprechende Anfrage an den Magistrat gestellt:.

Die Antwort werden wir selbstverständlich umgehend veröffentlichen. (Noch besser wäre es, alle Anfragen und Antworten würden automatisch ins PIO gestellt.)

Umwelt- und Klimaschutz jetzt!

Dass wir Menschen Einfluss auf die Umwelt und somit auch auf das Klima nehmen, kann nicht mehr geleugnet werden. Expertinnen und Experten warnen davor, dass wir unseren Einfluss unterschätzt haben und dass die Auswirkungen viel schlimmer sind als erwartet wurde.

verdorrter Baum in Bieber

Am 14.07.2021 sorgen Starkregen und Unwetter in vielen deutschen Städten für Überschwem- mungen, Deutschland ist nicht darauf vorbereitet. Insgesamt sterben in NRW, Rheinland-Pfalz und Bayern, wo die Überschwemmungen am schlimmsten zugeschlagen haben, 163 Menschen, und über 1000 Menschen werden noch vermisst. Deutschland ist sprachlos, gelähmt durch die Trauer! Dabei war das erst der Anfang und noch längst nicht das Schlimmste, vor dem Meteorologen und Klimaforscher warnen.

Die Stadt Offenbach ist schon lange eine Stadt, welche sich schwer bis gar nicht selbst finanzieren kann. Der Wunsch nach Wachstum und finanzieller Unabhängigkeit ist daher verständlich. Dieser Wunsch ist auch in jeder gesellschaftlichen Schicht anzutreffen. Allerdings ist es doch so, dass sich Offenbach eben in Deutschland befindet und Deutschland ist wiederum ein Land auf dem Kontinent Europa, der sich auf unserem Planeten Erde befindet. Aus diesem Grund können wir nichts alleine und nur für Offenbach entscheiden, alle unsere Entscheidungen müssen die Auswirkungen auf die Umwelt und somit das Klima mit einschließen. Das ist die Verantwortung, die wir als Stadtverordnete mit uns tragen, wir sind zuständig für politische Veränderungen die sich auf die Zukunft ausrichten. Wir sind fünf Jahre im Amt, das ist die Hälfte der Zeit, die Fachleute der Menschheit geben, um die Klimakatastrophe, so gut es geht, einzudämmen.

Und trotzdem wird das Thema Umwelt- und Klimaschutz weggelächelt, sich sogar über die lustig gemacht, die sich sorgen! In keiner Entscheidung, die in dieser neuen Wahlperiode gefallen ist, wurde an den Umweltschutz gedacht. Es ging um Wachstum, um Einsparung von Haushaltsmitteln, Gewerbeaufbau und Verkehrsverflüssigung. Bäume werden gefällt, die letzten Grünflächen wegbetoniert, und die Frischluftschneisen werden beschnitten und bebaut! Die Zukunft in Offenbach wird unerträglich warm werden. Wenn das alles wäre, wäre es ärgerlich für die Offenbacher Bürgerinnen und Bürger, aber leider fließen diese Entscheidungen eben nicht nur in die Gestaltung des zukünftigen Offenbacher Lebens mit ein.

Wenn auf der einen Seite Wachstum entsteht, wird von der anderen Seite etwas weggenommen, um dieses Wachstum zu ermöglichen. Sind wir bereit dazu, diesen Verlust der anderen Seite hinzunehmen, um Offenbach wachsen zu sehen? Und wohin soll dieses Wachstum führen, zu einer Vision, die unsere Umwelt mit einschließt, die an die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den anderen Kontinenten mitdenkt, und die die klimatischen Veränderungen der Zukunft mit einkalkuliert? Aber warum haben wir diese notwendige Vision noch nicht jetzt, heute, bei Entscheidungen, die letzten Donnerstag gefallen sind? Die wichtigen Fragen sind: Wohin will Offenbach? Wie will Offenbach Klimaziele erreichen?

Wichtiger als all das Wachstum, ist eine Vision, denn der Weg ist das Ziel, wie ein buddhistisches Sprichwort sagt.

Eine Hundewiese zwischen Oberer Grenzstraße/ Goerdelerstraße und Lichtenplattenweg

In Offenbach gibt es viele Menschen, die einen Hund haben, also gibt es auch viele Hunde! Hund und Mensch haben schon in der Vorzeit zusammengelebt und für viele Leute ist der Hund ein Teil der Familie. Aber Hunde brauchen auch ein hundegerechtes Leben. Sie müssen mal rennen und spielen und können nicht nur an der Leine gehen. Leider ist dies in Offenbach kaum möglich, fast überall besteht ein Leinenzwang. Die Leute fahren also mit ihrem Auto an den Stadtrand, aber besser wäre es, sie hätten eine Hundewiese vor Ort und könnten das Auto stehen lassen.

Anwohner auf dem Buchhügel haben uns angesprochen und die Einrichtung einer Hundewiese neben der Puteaux-Promenade angeregt. Hier gibt es hübsche Rasenflächen, die dafür geeignet sind. Hundewiesen sind auch ein Treffpunkt für Nachbarn und die Leute kommen ins Gespräch.

Öffentliches Gelände an der Puteeaxpromenade (Flurstücke 797 und 798)

Uns gefällt diese Idee sehr gut und deshalb haben wir einen Antrag gestellt, dass eine solche Wiese eingerichtet wird.

Flori und Garrie auf Flurstück 798

Die Wiese soll von einer 1,2 bis 1,5 Meter hohen Benjeshecke eingezäunt werden und abschließbar sein. Natürlich braucht man auch einen Wasseranschluss zur Tränke und Bewässerung der Wiese und am Eingang Pinkelsteine. Ruhebänke und eine Regenhütte sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen. Bei der Regenhütte könnten Reklameflächen geschaffen werden. Die Stadt sollte die Trägerschaft übernehmen, sofern nicht Sponsoren oder der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) geworben werden können. Ein Abfallbehälter für Hundekot-Tüten soll aufgestellt werden. Gerne greifen wir auch noch weitere Vorschläge auf, z. B. zu Öffnungszeiten, Umgang mit gefährlichen Hunden und weiteren Gestaltungsideen.

Besonders wichtig finden wir auch, dass die Hundebesitzer und der Tierschutzverein frühzeitig in die Planung eingebunden werden. Auf diese Weise kann eine bedarfsgerechte Möglichkeit geschaffen werden, die das Hundeleben in Offenbach besser macht.